Heimatkundliches


Die Garte-Landschaft (verändert nach: H. Lücke, 1927)

"Die Garte! Schon der Name des wasserreichen Baches ist lautere Poesie. In Südhannover und den angrenzenden Gebieten kennt jeder heimatlich Interessierte diesen Nebenfluß der Leine und sein außerordentlich anmutiges Tal. Von seinen Reizen weiß der Musensohn mit Band und Mütze, der Wandervogel mit dem Rucksack und der an schönen Frühlingstagen zum Wanderstabe greifende Bürger zu erzählen.

Die Garte in WöllmarshausenÜber dem eichsfeldischen Dorfe Glasehausen quillt aus einer saftgrünen Wiese der Rinkenborn. Sein Wasser fließt durch das genannte Dörfchen und vereinigt sich in der Nähe des Weißenborner Bahnhofs mit einem anderen, in der Hessen-Wiese nordöstlich vom Hopfenberge entspringenden Wässerlein, das einige 100 Meter vor seiner Mündung das am Kirchberge von Weißenborn entspringende Bächlein aufnimmt. Über den Ursprung der Garte sind sich die Gelehrten nicht einig. Die Karten nennen den einen oder den andern der beiden ersteren Bäche die Garte, während man in Weißenborn das dort entspringende Wasser als den Garte-Quell ansieht. Am richtigsten ist es wohl, erst den Zusammenfluß der drei Adern Garte zu nennen. An den schön gelegenen Ortschaften Beienrode, Kerstlingerode, Rittmarshausen, Wöllmarshausen, Benniehausen und Diemarden vorbeieilend, mündet sie bei Reinshof südlich von Göttingen in die Leine. An den Ufern saftige Wiesen, an den Hängen grüne Saaten und auf den Rücken und Spitzen der ragenden Berge freundliche Buchenwaldungen und schweigsame Tannenforsten. Wohlgenährte Rinder auf den Weiden, friedliche Dörfer mit dem blendenden Weiß der Fachwerkhäuser, umrahmt vom Gehege ertragreicher Obstbäume. Ein wahrhaft idyllisches Tal, das auch durch das bekannte und oft verspottete Garte-Bähnle seine unverfälschte Romantik nicht eingebüßt hat. Darüber hinaus hat gerade die Gartetal-Bahn ganz erheblich dazu beigetragen, das stille Tal dem Verkehr zu erschließen. An mancher denkwürdigen Stätte faucht es klingend vorbei. Manche Mühle hört es rauschen. Hier winkt das alte Wirtshaus Eichenkrug aus dem Schatten ehrwürdiger Linden. Ihm gegenüber träumt das jetzt zur Unbedeutendheit herabgesunkene Vorwerk Wittmarshof von den Zeiten, da hier ein hessischer Amtmann schaltete und waltete und mit seinen hannoverschen Nachbarn oft in Fehde lag. Ein paar Schritte weiter schaut eine zierliche Kapelle mit Dachreiter und hellem Fachwerkgiebel vom Rande des grünen Waldes ins Reich der Menschen, und weiterhin erinnert das schmucke Gasthaus Waterloo an eine große Zeit vaterländischer Geschichte. Am Fuße der Gleichen liegen die aus dem Leben des großen deutschen Dichters Gottfried August Bürger bekannten Dörfer Gelliehausen und Wöllmarshausen und das lauschig vom Walde umgebene Gut Appenrode. Nicht weit davon schlängelt sich die Landstraße Göttingen-Heiligenstadt durch das herrliche Bremker Tal. Hier liegt das vornehme Gasthaus Waldschlößchen inmitten ausgedehnter prachtvoller Wälder.

FrauenholzNicht nur das Tal hat seine Reize. Was wäre es ohne den unvergleichlichen Rahmen der Berge? Nach Norden zu ragen der Mühlenberg, der Weinberg und dahinter der massige Hengstberg, während im Süden die beiden Gleichen mit dem Eschenberge durch ihre kegelförmige Gestalt der Landschaft das Gepräge geben. Wer genoß nicht voll Entzücken einen Blick vom Neuengleichen? Wem da nicht das Herz aufgeht, der ist nicht zum Sehen und Schauen geboren. Soll ich noch an die aus dem Leben und Lieben des Dichters Bürger bekannte Domäne Niedeck mit der Seufzerallee und der Bürgergrotte erinnern? Oder an die altehrwürdige Klosterkirche zu Reinhausen, deren stumpfe Türme aus einem Kranze grüner Linden gern in das nahe Tal der Garte schauen möchten? Lieber Leser, komm selbst und überzeuge dich!"

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